pensionsvorsorge

Ist Österreichs liebste Pensionsvorsorge (staatlich geförderte Zukunftsvorsorge) in Zeiten wie diesen gefährdet?

Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge hat sich seit 2003 zur beliebtesten Form der Altersvorsorge in Österreich entwickelt, nicht zuletzt durch die 8,5 bis 13,5 Prozent staatlichen Zuschuss auf den Eigenbeitrag – bis 31.03.2012 (siehe Update am Ende des Artikels)!

Doch wie wirken sich die aktuellen Turbulenzen auf die Zukunftsvorsorge aus?

Zum einen wird der Großteil der Gelder (je nach Alter zwischen 70 und 85 Prozent) in Anleihen bzw. einen Versicherungsdeckungsstock, der überwiegend aus Staatsanleihen besteht,  investiert.  Zum anderen werden die 15 bis 30 Prozent Aktien fast zur Gänze an der Wiener Börse (dies ist bei einer staatlich geförderten Zukunftsvorsorge gesetzlich geregelt) investiert.

Die Wiener Börse hat leider auch im Jahr 2011 eine eigenartige Tendenz zu Übertreibungen gezeigt,  wenn es talwärts geht. Dies liegt vor allem daran, dass überproportional viele Investoren nicht aus dem Inland, sondern aus der ganzen Welt in Werte der Wiener Börse investieren und in turbulenten Zeiten eher das Geld wieder abziehen.

Dadurch ist der ATX im Jahr 2011 rund 35% gefallen, währenddessen hat der DAX nur rund 15% Minus gemacht hat.  Dies wirkt sich je nach Alter des Polizzeninhabers und der gekoppelten Aktienquote mit minus 4,5  bis minus 10% aus!

Das ist mir doch alles egal, die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge hat ja ohnehin eine 100%ige Kapitalgarantie!

Diese Aussage stimmt, jedoch muss man sich überlegen, was denn die 100%ige Kapitalgarantie bedeutet. Denn darin ist kein Inflationsausgleich eingebaut! Heißt im Klartext, wenn keine Rendite erwirtschaftet wird, dann bekomme ich zwar mein Geld zurück, aber wie hoch die Kaufkraft nach 15, 20 oder 30 Jahren ist, das ist mein Problem (siehe Beitrag zum Thema: Inflation).

Und dann bleiben da noch die 70 bis 85% Gelder, die in Anleihen oder im Deckungsstock investiert sind. Hätten wir diesen Artikel vor 2 Jahren geschrieben, wäre dieser Absatz hier zu Ende gewesen. Seit der Griechenland-Pleite, den Problemen in Portugal, Spanien,…. und somit fast der halben EU, von den USA ganz zu schweigen ist dieser Absatz jedoch gerechtfertigt. Denn niemand kann zum aktuellen Zeitpunkt sagen, wie sich der Euro-Raum weiter entwickeln wird. Bleibt es bei einem gemeinsamen Euro, der über Jahre hinweg von den produktivsten Volkswirtschaften (Deutschland, Österreich,..) subventioniert wird, teilt sich der Euro-Raum in Nord und Süd, usw.   Möglichkeiten dazu gibt es unzählige.  Die Auswirkung auf die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge ist einfach erklärt:  kommt es tatsächlich zu weiteren Problemen, können unserer Meinung nach Teile des Deckungsstocks unter Wertverlusten leiden, die nur schwer mit dem geringen Aktienanteil wieder aufgeholt werden können. Dies war bis vor kurzem undenkbar, doch mittlerweile haben wir bereits bei griechischen Staatsanleihen gesehen, dass Abwertungen bis zu 70% diskutiert werden.

Fazit

Wir vertreten die Ansicht: Wenn Sie eine staatlich geförderte Zukunftsvorsorge, auch bekannt als Bonuspension oder Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge, bereits als Vorsorgeinstrument gewählt haben, dann überlegen Sie sich, ob das Ihr einziger Baustein für die private Altersvorsorge bleiben soll, oder ob eine Risiko- bzw. Anlagediversifikation mit einem flexibleren Baustein doch attraktiver ist.  Die Reduktion des monatlichen Beitrags können Sie jederzeit – kostenlos –  veranlassen.

Vor einem Neuabschluss ist unserer Meinung nach derzeit definitiv abzuraten, denn die völlige Unflexibilität im Bereich der Asset-Allokation  (Aktienquote reduziert sich automatisch mit 45. und 55. Lebensjahr und kann nicht aktiv beeinflusst werden) passt nicht zu den turbulenten Zeiten, in denen wir uns aktuell befinden.

UPDATE:

Wir finden die Halbierung der Förderung sollte letztendlich jedem die Augen öffnen, der gedacht hat, damit sinnvoll und attraktiv für seine Privatpension vorsorgen zu können, denn eine Bundespartei wollte bereits beim jetzigen Sparpaket die Förderung gänzlich streichen.

Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben, d.h. aus unserer Sicht ist es wohl nur eine Frage der Zeit bis wieder hunderttausende „Zombie-Verträge“ in Österreich kursieren. „Zombie“, weil kein Leben mehr in den Polizzen sein wird, aber die Polizzen vermutlich aufrecht gehalten werden mit dem Argument – „schauen wir mal, wie sich das ganze weiter entwickelt“!?

Ein weiteres Update zu den Anleihen im Portfolio von manchen Anbietern findest du hier.

 

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  1. UPDATE: Staatlich geförderte Zukunftsvorsorge – welche Anleihen sind denn bei manchen Anbietern aktuell im Portfolio? | die Finanzplaner - 8. Juni 2012

    […] ursprüngliche Artikel zur staatlich geförderten Pensionsvorsorge ist hier zu finden. […]

  2. STOPP der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge – Ausstiegsmöglichkeiten | die Finanzplaner - 25. Juli 2012

    […] haben inzwischen schon einiges über die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge berichtet – Allgemeiner Artikel mit Updates (Teil 1) und ein zweiter Artikel zur Asset-Allocation und Performance (Teil 2). Da wir in der […]

  3. Finanzielle Sicherheit für mich und meine Familie… ODER DOCH NICHT?! | die Finanzplaner - 8. Oktober 2012

    […] sagen ist, haben wir bereits in einigen Artikeln erörtert (Staatlich geförderte Zukunftsvorsorge Teil 1, Teil 2, Teil 3 & Klassische Lebensversicherung). Eine reine Ablebensversicherung (zur […]

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