Garantiezins

Jetzt noch Garantiezins sichern?! – Scherz oder ernst gemeint?

In den letzten Wochen flattern bei Ihnen vermutlich die verschiedensten Werbebroschüren und Flyer rund ums Thema „Jetzt noch Garantiezins von 1,75% sichern“ ins Haus. Fast alle Gesellschaften schicken hier aktuell Rundschreiben und Werbung aus. Was ist davon zu halten? Worum handelt es sich eigentlich?

Ja, der Garantiezins wird mit 2015 in Österreich auf 1,5% von 1,75% neuerlich gesenkt (in Deutschland übrigens auf 1,25%). Was bedeutet das? Das heißt, dass bei einer klassischen österreichischen (oder deutschen) Lebensversicherung, der Versicherer nur mehr 1,5% Zins garantieren darf. Was generell von klassischen Lebensversicherungen zu halten ist haben wir bereits in diesem Artikel genauer beschrieben – Zur Sinnhaftigkeit von klassischen Lebensversicherungen (Der Artikel ist im Jahr 2012 entstanden, aber nach wie vor hochrelevant).

Kurz zusammengefasst: Das Problem der klassischen österreichischen Lebensversicherung ist die Veranlagung. Es wird grob zu 90% in Anleihen angelegt (der Rest setzt sich meist aus Immobilien, Aktien, Cash zusammen). Bei dem aktuellen Zinsniveau macht es absolut keinen Sinn sich einen „Garantiezins“ zu sichern. Was erwirtschaftet man denn aktuell mit zB 10-jährigen Staatsanleihen?

Deutschland: ca. 0,6%

Österreich: ca. 1%

Spanien: ca. 1,9%

Italien: ca. 2%

Portugal: ca. 3%

(Quelle: Bloomberg.com; Stand: 12.12.2014)

 

Woher soll hier eine ansprechende Rendite kommen? Selbst bei risikoreicheren Staatsanleihen kaufe ich eigentlich zinsloses Risiko bzw. zu viel Risiko für zu wenig Zins. Dies heißt nicht generell, dass Anleihen „schlecht“ sind, aber die Auswahl ist weitaus schwieriger wie noch bei hohen Zinsniveaus. Wieso sollte ich mir gerade jetzt einen niedrigen Garantiezins sichern und auf eine langfristige Veranlagung setzen die zum Großteil fix in Anleihen anlegt?

Vielleicht sieht es in 10 oder 15 Jahren wieder anders aus – die klassische, österreichische Lebensversicherung wird aber auch dann NIEMALS die erste Wahl für die persönliche Altersvorsorge (bzw. Anlage bei Horizonten von 20 Jahren aufwärts) sein. Hier gibt es immer bessere Alternativen (mehr dazu im Artikel Altersvorsorge: Wie sorge ich richtig vor?). Bei Garantiezinsniveaus von 4% aufwärts kann es durchaus wieder interessant sein, einen kleinen Teil in diesem Bereich anzulegen. ABER: Die Tendenz in der Finanzindustrie und Versicherungsbranche geht generell weg vom Garantiezins (zu hohe Kosten bei geringen Ertrag).

Zusätzlich sei noch erwähnt: Kein Garantiezins oder keine Garantie bedeutet nicht automatisch spekulative Veranlagung. Auch ohne explizite Kapitalgarantie kann schwankungsarm und sicherheitsorientiert veranlagt werden – je nachdem wie die persönlichen Präferenzen sind.

 

FAZIT

Fallen Sie nicht auf den Marketinggag und Angstmache der Garantiezinssicherung herein. Aktuell spricht nach wie vor nichts dafür, eine klassische österreichische oder deutsche Lebensversicherung abzuschließen (für junge Leute noch dramatischer wie für ältere Personen). Für langfristiges Anlegen und Vorsorge sind aktuell vor allem fondsgebundene oder britische Bausteine interessant.

Wird der Garantiezins nächstes Jahr nochmals gesenkt, dann reservieren Sie bitte gleich Platz im Papiermistkübel für die Aussendungen rund ums Thema „Jetzt noch Garantiezins von 1,5% sichern“ bzw. „Haben Sie sich den Garantiezins von 1,5% gesichert?“. Die Aussendungen sehen fast immer gleich aus – nur der Zinssatz ändert sich.

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