Altersvorsorge

Die 3 größten Irrtümer bei der Altersvorsorge

Das Thema Altersvorsorge ist mit einer Vielzahl von Irrtümern, Fehlern und vermeintlichen Weisheiten behaftet. Die drei größten Falschannahmen sind die Einschätzung wie viel ich tatsächlich sparen muss, wie sehr sich Rendite und der Faktor Zeit auswirken. Worauf kommt’s im Detail an?

1) „Ich spare 40 Euro, dann ist das Thema Alter für mich erledigt“.

Was spart denn der durchschnittliche Österreicher eigentlich für das Alter? Spart er überhaupt?

Würde man eine Umfrage durchführen wäre die Antwort auf das Thema vermutlich sehr oft „Ja, Altersvorsorge habe ich.“. Betrachtet man die Höhe der Sparbeiträge wird dies sehr oft im 25 bis 50 Euro Bereich sein. Was bekomme ich dafür wirklich? Wenn ich als 27-jährige Person ca. 40 Euro bis 65 (Alter) spare (Inflation: 2,5%, Rendite 5% bis 65; danach 3%), dann erhalte ich dafür inflationsbereinigt ca. 80 Euro (Alter: 65 bis 90 Jahre) monatlich. Hmm – das wird wohl etwas zu wenig sein…

Hier muss man sich folgende Frage stellen:

Wie viel Geld brauche ich im Alter bzw. möchte ich haben?

Wenn ich 1.000 Euro netto privat (ohne staatliche Pension) haben möchte, dann müsste ich ab jetzt ca. 530 Euro monatlich weglegen (Rendite und Inflation wie oben).

Ja, es ist tatsächlich so viel. NEIN, das werde ich mir mit 27 nicht unbedingt leisten wollen oder können. Schließlich habe ich auch andere Ziele (Immobilie, Auto, Leben, usw. :)). ABER: Eine vernünftige, an die eigenen Ziele und mögliche Sparrate angepasste Altersvorsorge ist unerlässlich. Die Kunst ist es, alle Ziele sinnvoll zu besparen.

Und hier gibt es einiges zu beachten: Welchen Lebensstandard werde ich einmal haben? Wie viel brauche ich tatsächlich zusätzlich? Was habe ich sonst noch für Ziele und zu welchem Zeitpunkt will ich sie realisieren? Welche Altersvorsorge ist sinnvoll und passt für mich persönlich? Und, und, und,…

Als sehr grobe Faustregel gilt: Wenn ich in den Job einstige sollte ich ca. 8 – 12% meines Nettoeinkommens als Basisbaustein für das Alter anlegen. Selbstverständlich muss jede individuelle Lebenssituation genau betrachtet werden und danach richtet sich die individuelle Altersvorsorge.

Wer sich übrigens zum Löwenanteil noch auf die staatliche Pension verlässt sollte sich folgende Artikel genauer ansehen: Reicht mein Geld im Alter?

 

 2) „Am wichtigsten ist es, dass die Altersvorsorge sicher ist. Ob ich 2 % mehr oder weniger erwirtschafte ist egal“.

Ja, Sicherheit ist wichtig. Aber das Wort Sicherheit wird leider sehr oft falsch verwendet bzw. verstanden. Richtiger wäre eigentlich von Schwankung zu sprechen. Wie viel Schwankung lasse ich zu, um eine entsprechende Rendite zu erhalten? Ohne Schwankung lege ich am Sparbuch an (oder vielleicht aktuell in einer klassischen Lebensversicherung mit einem Garantiezins von 1,75%) und erziele vermutlich 2% p.a. im Durchschnitt (ja, wir werden auch wieder Hochzinsphasen erleben).

Wenn ich jetzt 40 Jahre zB 250,– Euro spare und das bei 2% p.a. dann habe ich ca. 150.000 Euro zur Verfügung.

Bei 5% p.a.?

Ca. 285.000 Euro.

Also fast das Doppelte. Es ist also unschwer zu erkennen, dass bei einem sehr langen Anlagehorizont der Faktor Rendite eine riesige Rolle spielt. Deshalb ist auch die Auswahl der richtigen Instrumente bei der Altersvorsorge so entscheidend (mehr dazu in unserem Artikel Wie sorge ich richtig vor?).

Aber zurück zum Thema Schwankung:

Wenn ich auf 30 Jahre oder länger anlege, dann könnte ich theoretisch so viel Schwankung (zB durch eine höhere Aktienquote), und damit die Chance auf eine höhere Verzinsung/Rendite, zulassen wie ich will. Ich brauche das Geld ja nicht in 2 Jahren sondern in 30+ Jahren.

Ja, aber bei Aktien verliere ich ja vielleicht alles.

Dazu sollte man folgendes Gedankenspiel machen: Stellen Sie sich die 50 größten Unternehmen der Welt vor. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, das alle 50 Unternehmen von heute auf morgen in Konkurs gehen?

Um vernünftige Renditen zu erzielen brauche ich keine exorbitant hohe Aktienquote – die sinnvolle Mischung macht’s, und vor allem die flexible Anpassung im Zeitverlauf (5 Jahre vor Pensionsantritt darf die Aktienquote nicht so hoch sein wie 30 Jahre vor Pensionsantritt à hier ist das Tal der Tränen sonst vorprogrammiert).

 

3) „Ich bin doch noch zu jung, dass ich mich mit dem Thema Altersvorsorge beschäftige“.

Dieser Punkt lässt sich ganz einfach mit einem Rechenbeispiel aufklären. Nehmen wir die Ausgangssituation von oben:

Wir sind 27 und wollen ab 65 eine private Rente von 1.000,– Euro monatlich zusätzlich zur staatlichen Pension. Dafür müssten wir ab jetzt 529 Euro monatlich weglegen. Das macht insgesamt ca. 240.000 Euro an Einzahlungen aus.

Wie viel muss ich aufwenden, wenn ich 5 Jahre später starte? Ca. 280.000 Euro.

D.h. ich muss 40.000 Euro netto mehr aufwenden (die muss ich netto mehr verdienen und/oder von anderen Zielen abzweigen). Zu jung für das Thema Alter gibt es deshalb ganz einfach nicht. Bei einem eigenen Einkommen ist es für zeitgerechte und sinnvolle Planung nie zu früh.

 

FAZIT

Faktor Zeit, Rendite und Höhe der Sparbeiträge sind drei der wichtigsten Themen wenn es um das Thema Altersvorsorge geht. Bevor überhaupt richtig und sinnvoll über Instrumente und genaue Ausgestaltung nachgedacht werden kann, müssen diese drei Themen und die damit im Zusammenhang stehenden Auswirkungen verstanden werden.

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2 Antworten zu Die 3 größten Irrtümer bei der Altersvorsorge

  1. Andreas 6. Mai 2016 bei 5:25 pm #

    Hallo, nun die 1000 Euro Frage: wo bekomme ich denn heutzutage eine sichere Rendite für einen Zinseszinseffekt?

    • die Finanzplaner 17. Mai 2016 bei 10:22 am #

      Hallo Andreas!

      Da stellt sich einfach die Frage was man als „sichere“ Rendite bezeichnet. Die garantierte Rendite gibt es nicht mehr. Es gibt allerdings eine Vielzahl von zB sehr guten vermögensverwaltenden Anlagen, die auf die lange Laufzeit betrachtet überschaubares „Risiko“ mit guter (>4%) Rendite verbinden. Es ist nicht nötig 100% Aktienanlage und massivste Schwankungen in Kauf zu nehmen um sinnvoll langfristig vorzusorgen.

      Beste Grüße,
      Florian

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