Berufsunfähigkeit

Das unterschätzte Risiko: Absicherung der eigenen Arbeitskraft ODER Berufsunfähigkeit

Die Absicherung der eigenen Arbeitskraft bzw. Berufsunfähigkeit ist in der österreichischen Bevölkerung ein Randthema. Gründe dafür sind, dass viele der österreichischen Versicherungsgesellschaften a) gar keine Berufsunfähigkeitsversicherung anbietet und b) das Bewusstsein der Menschen für dieses existenzbedrohende Risiko fehlt.

Die Absicherungslücke, die dadurch vor allem bei jungen Menschen mit guter Ausbildung (längere Ausbildung, steilere Gehaltskurve, …) entsteht, ist groß…

In Österreich sind derzeit rund 450.000 Personen berufsunfähig.

Was bedeutet dies?

Diese Menschen können keinen Job/Beruf mehr ausüben (oder nur eingeschränkt ausüben). Die vier Hauptgründe für eine Berufsunfähigkeit sind

  • Krankheiten des Skeletts/Muskeln
  • psychiatrische Krankheiten
  • Krankheiten des Nervensystems (Stichwort: Burnout)
  • Herz- und Gefäßerkrankungen und sonstige Krankheiten.

Wie groß der Anteil der einzelnen Gründe ist hängt  vom Alter ab (bei jüngeren Personen sind psychische Ursachen der Großteil: Stichwort Burnout; bei älteren Personen steigt der Anteil der Krankheiten des Skeletts natürlich wieder an). Gerade in den letzten Jahren ist der Anstieg beim Thema Burnout stark zu verfolgen. Unfälle sind übrigens nur bei 3% aller berufsunfähigen Menschen der Grund für den Verlust der Arbeitskraft. Die gern in eine Unfallversicherung mitverpackte Unfallrente  kommt in Berufsunfähigkeitsfällen so gut wie gar nie zum Tragen und ist KEIN ausreichender Schutz (mehr zur Unfallversicherung hier). Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung deckt sehr wohl alle Bereiche (Krankheit, psychische Krankheiten, Unfälle, etc.) ab.

Welche Auswirkungen hat eine Berufsunfähigkeit auf die finanzielle Situation?

Die Berufsunfähigkeit schlägt grundsätzlich zweimal zu. Das erste Mal ab dem Zeitpunkt des Verlusts der Arbeitskraft: Wer nicht privat versichert ist, muss auf eine staatliche Berufsunfähigkeitspension hoffen. Die ist abhängig von den Sozialversicherungsmonaten. Egal wie viele Monate bis jetzt gesammelt wurden, wird die Berufsunfähigkeitspension NICHT mit der Entwicklung der (akademischen) Gehaltskurve mithalten können. Mögliche Ziele wie Eigentumswohnung oder Haus werden sehr schwer zu realisieren bzw. werden unfinanzierbar.

Der zweite Schlag trifft uns dann in der Pension. Mit der staatlichen Berufsunfähigkeitspension kann nur sehr wenig für die private Altersversorgung angespart werden… Die Situation wird dann also nochmal verschärft.

Was bekommt ein 27-Jähriger Mann oder eine 27-jährige Frau, der/die berufsunfähig wird und bis jetzt 50 Sozialversicherungsmonate gesammelt hat, vom Staat?

Zuerst muss die Berufsunfähigkeit vom Staat anerkannt werden. Hier wird seit 2011 zuerst geprüft ob durch Reha-Maßnahmen die Berufsunfähigkeit nicht doch vermieden werden kann. Außerdem wird generell geprüft ob nicht ein anderer Job ausgeübt werden kann. Der staatliche Berufsschutz ist nicht der Beste.

Nehmen wir für dieses Beispiel an, dass staatlich die Berufsunfähigkeit anerkannt ist. Was erhalten wir als monatliche Berufsunfähigkeitspension:

0, — Euro!!!

Warum? Ab dem 27. Lebensjahr brauche ich mindestens 60 Sozialversicherungsmonate um überhaupt anspruchsberechtigt zu sein (vor dem 27. Lebensjahr brauche ich 6 Monate).

Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass eine 27-jährige Person in Ihrem Berufsleben (bis zum Pensionsantrittsalter) berufsunfähig wird?

Laut Statistik liegt der Wert bei ca. 20%!!! Der Altersdurschnitt bei Berufsunfähigkeit geht in den letzten Jahren immer weiter nach unten – Hauptgrund dafür ist vor allem der rasante Anstieg von psychischen Krankheiten wie Burnout.

Was kostet eine private Absicherung eigentlich? Ist das überhaupt leistbar?

Bei privaten Anbietern – wir empfehlen nur Tarife mit für die jeweilige Berufsgruppe passenden Bedingungen – kostet eine Absicherung von zB 1200 Euro Rente für eine 27-jährige Person (es sollten mindestens die Fixkosten abgedeckt sein!) zwischen rund 20,– und 50,– pro Monat (je nachdem welchen Beruf der Versicherungsnehmer hat, wie lange die Vertragsdauer ist, etc.). Das sind bei einem Einstiegsgehalt von 1500 Euro netto monatlich 1,3% bzw. 3,3 % des Gehalts.

 

Gute private Anbieter leisten übrigens, sobald die versicherte Person zu 50% oder mehr ihren zuletzt ausgeübten Job nicht mehr ausüben kann. ACHTUNG: Auch hier kommt es wieder stark auf die Bedingungen der Gesellschaft an. Die individuelle Situation(Beruf? Einkommen? Ausgaben? Kinder? Ziele? Selbständigkeit? …)  jeder Person und der nötige Absicherungsbedarf bilden die Ausgangsbasis.

FAZIT

Das Thema Berufsunfähigkeit ist komplex. Wie hoch ihr persönlicher Bedarf ist, welche Möglichkeiten es gibt und wie die Berufsunfähigkeitsversicherung in das persönliche Absicherungskonzept passt klären wir gerne in einem persönlichen Beratungsgespräch.

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Trackbacks/Pingbacks

  1. Windeln, Schaukelpferd, Bausparer, Sparbuch,… | die Finanzplaner - 27. Februar 2013

    […] Berufsunfähigkeitsabsicherung Über die Höhe der staatlichen Absicherung muss hier nicht viel gesagt werden. Das heißt hier ist man selbst in der Pflicht, denn ein Partner alleine wird im Regelfall auf Dauer zu wenig verdienen, wenn der/die andere durch Krankheit oder Unfall ausfällt. (Näheres zur Berufsunfähigkeitsversicherung hier). […]

  2. Berufsunfähigkeit - Verschärfung im staatlichen Systemdie Finanzplaner - 6. November 2013

    […] mehr. Zum Nachlesen: über das Thema Berufsunfähigkeit haben wir schon einmal geschrieben – „Berufsunfähigkeit – das unterschätzte Risiko“. An den Bedingungen der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ändert sich natürlich durch […]

  3. Banker kündigt Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeitdie Finanzplaner - 24. Juli 2014

    […] Definition Berufsunfähigkeit: Kunde ist voraussichtlich dauerhaft, oder zumindest länger als 6 Monate außer Stande seinen zuletzt ausgeübten Beruf zu 50% oder mehr auszuüben (mehr zum Thema übrigens unter Berufsunfähigkeit). […]

  4. Berufsunfähigkeitsversicherung - die 4 größten Irrtümerdie Finanzplaner - 13. August 2014

    […] haben bereits allgemein über das unterschätzte Risiko der Berufsunfähigkeit berichtet und die staatliche Verschärfung seit 01.01.2014 beleuchtet. Dieser Artikel beschäftigt […]

  5. Berufsunfähigkeit - Unfall, Krankheit & Co - Ein Tatsachenbericht - 30. Dezember 2015

    […] rund um das Thema Berufsunfähigkeit in unseren bisherigen Artikeln (Berufsunfähigkeit Das unterschätzte Risiko, Staatliche Verschärfung, Die größten […]

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